Eva Krause, Rotterdam
In der Augenfalle
„Ich schleiche mich in ein Bild hinein wie ein Reisender in eine unbekannte Welt. Folge ich einem Weg, tut sich ein neuer Weg auf, eine neue Tür, trete ich ein, dann gibt es kein Zurück, aber wieder einen neuen Weg, eine neue Tür. Die abwegigen Wege sind mir auf den Reisen in die Bilder am liebsten, die unerwarteten Wege die Spannendsten.“
Eva Krause (1970, Düsseldorf — lebt und arbeitet in Rotterdam) stellt in ihrer Malerei exquisite Augenfallen, in denen sich der Betrachter rasch verfängt. Ähnlich ist es mit den Zuschreibungen – Realismus, Surrealismus, abstrakte Malerei – all das trifft es nicht, denn die Künstlerin betreibt ein subtiles Spiel mit den Versatzstücken dieser Kunstrichtungen und fügt sie in einem ganz eigenen Bildraum mit eigenen Spielregeln zusammen.
So kommt zwar eine Faszination für das Groteske, Absurde und Verschrobene zum Ausdruck, aber nie weiß man so richtig, was man vor sich hat und beginnt zu rätseln. Da steckt man aber schon in der Interpretationsfalle. Denn: restlos wird sich das nicht aufschlüsseln lassen. Es ist ein raffiniertes Spiel mit künstlerischen Ordnungsvorstellungen, das im Zusammenspiel von realistischem Fragment und freier Assoziation an eine Art von Traumlogik erinnert, die es erlaubt, völlig heterogen geglaubte Elemente doch in einen plausiblen Gesamtzusammenhang zu bringen und den Betrachter dazu auffordert, diesem Werk immer wieder neue Lesarten abzuringen.
Wolfgang Heger